Baukastensystem oder WordPress?

Oder anders gefragt: Lieber mieten oder selber bauen?


Die Frage „Baukastensystem oder WordPress?“ höre ich oft von meinen Kunden, aber auch in den ein­schlägigen Internet-Foren der Webdesigner und Medien­gestalter wird sie immer wieder gerne diskutiert.

 

Ergebnis: Die WordPress Program­mierer empfehlen nichts anderes als WordPress, weil alles andere angeblich unprofessionell sei, die Baukasten-Nutzer und -Betreiber empfehlen natürlich ein Baukasten-System, weil eine WordPress-Seite angeblich unnötig Arbeit und Kosten verursacht.

 

Beide Seiten stehen sich nicht gerade freund­schaftlich gegenüber ;), aber beide haben in vielen Fällen auch recht.

 

Ich bin seit vielen Jahren mit beiden System vertraut, dazu bin ich aber auch Pragmatin. Daher empfehle ich die Lösung, die für die jeweilige Webseite und den jeweiligen Kunden am sichersten, am einfachsten zu realisieren und daher auch die beste ist. 

 

Hier also meine ganz persönliche Meinung zu:


Webseite mit einem Baukastensystem (z.B. Jimdo) erstellen

Du könntest so ein Baukastensystem mit einer Mietwohnung vergleichen. Du kannst dir quasi aussuchen, welchen Typ Wohnung – Maisonette, Erdgeschoss oder Dachwohnung – du haben möchtest (Grunddesign auswählen), kannst darin die Wände streichen und sie ggf. mit einem schönen Bodenbelag schick machen (Design individualisieren) und dann müssen natürlich noch deine Möbel rein (Texte und Bilder einpflegen) .

 

Und genau wie bei einer Mietwohnung der Hausbesitzer für die grund­sätz­lichen Voraussetzungen wie Grund­stück, Rohbau und Innenausbau, Treppenhaus, Heizung, Sanitäranlagen, Elektrizität und für die Wartungs­arbeiten zuständig ist, wird bei einem Baukasten­system der ganze Technik-Kram, also das, um was sich sonst immer Programmierer kümmern müssen, vom Anbieter des Baukasten­systems übernommen.

 

Das Gute daran: Du kannst dich auf das Wesentliche konzentrieren. Auf das Design und auf die Inhalte der Webseite. Du musst das System weder installieren noch warten. Gleichzeitig ist das Pflegen der Inhalte bei den meisten Baukastensystemen sehr einfach. Die Oberflächen zum Bearbeiten sind oft so intuitv gestaltet, dass auch ein Laie Texte und Fotos ganz leicht und ohne lange Schulung selbst ändern kann.

 

So ein Baukastensystem kann natürlich jeder auch ganz alleine einfch mal ausprobieren. Allerdings kamen nicht wenige meiner Kundinnen und Kunden zu mir, weil sie genau das versucht haben (es ganz alleine zu machen) und mit dem Ergebnis dann doch ziemlich unzufrieden waren:

  • ihre Webseite wirkte langweilig oder unruhig,
  • es fehlte eine gute Struktur,
  • die rechtlichen Inhalte waren unvollständig oder falsch,
  • sie waren unglücklich mit ihren Texten,
  • sie waren überfordert mit SEO, also mit der Suchmaschinen­opti­mierung, bzw. verstanden nicht, warum Google ihre Seite nicht findet,
  • verstanden nicht, warum ihre Seiten auf Social Media Plattformen wie Facebook komisch aussahen, wenn jemand sie teilte,
  • oder sie hatten nicht im Blick, wie eine Webseite befüllt werden muss, wenn die Texte und Bilder auch auf dem Smartphone noch Sinn ergeben sollen.

Eine professionelle Webseite erfordert heutzutage wesentlich mehr, als man so glaubt, auch wenn die Anbieter der Baukasten­systeme gerne etwas anderes suggerieren.

 

Aber nicht falsch verstehen: Man kann mit einem Baukasten­system eine gute und schön gestaltete und individuelle Webseite bauen, auch diese Webseite wurde mit einem Baukasten­system erstellt. Und in letzter Zeit sehe ich immer mehr Webseitenbetreiber, die ein Baukastensystem ihren Online-Shops nutzen. Wenn man nicht nicht ganz so hohe Ansprüche an eine individuelle Darstellung seiner Artikel sowie an den Bestell- und Versandablauf hat, geht das sicher auch!

 

Aber man solllte wissen, auf was zu achten ist – gestalterisch, technisch, rechtlich. Meine Erfahrung und die vielen ratlosen Fragen der Nutzer in Hilfeforen zeigen mir, dass die meisten Laien das einfach nicht wissen. Nicht wissen können! Das Thema Webseite ist in den letzten 15 Jahren einfach viel zu komplex geworen.

 

Ich denke, für eine Webseite mit 10-15 Unterseiten, die keine speziellen Funktionen benötigt und pflegeleicht sein soll, ist ein Baukastensystem eine gute Wahl. Und mit professioneller Hilfe kann eine Baukasten-Webseite richtig gut und schick werden. 

 

Nicht zu vergessen – es ist eine preis­günstige Lösung: Zu den regel­mäßigen Kosten des Anbieters (je nach Anbieter und Tarif um die 10 Euro/Monat) kommen – wenn überhaupt – einmalige Kosten für Hilfe dazu, um das Ganze auf ein professionelles Niveau zu heben. Das können zwar unter Umständen auch mehrere hundert Euro sein, ist aber meiner Erfahrung nach wesentlich günstiger als wenn man von Anfang an einen Programmierer braucht, wie zum Beispiel bei einem selbst gehosteten System wie WordPress. (Warum WordPress manchmal trotzdem die bessere Wahl ist: siehe unten...)

 

Übrigens: Seit Mai 2018 müssen ja in der EU, also auch in Deutschland, die Regeln der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) umgesetzt sein und seither erstelle ich Baukasten-Webseiten mit Jimdo. Jimdo hat seinen Unternehmenssitz in Hamburg und gibt sich wahrscheinlich deshalb etwas mehr Mühe, den hier geltenden Datenschutz-Anforderungen zu entsprechen. Bei den US-ameri­kanischen Baukastensystem-Anbietern ist dies meines Erachtens leider nicht gegeben. Zumindest nicht bei denen, mit denen ich gearbeitet oder die ich getestet habe. Ich hoffe aber, dass diese Anbieter nachbessern, denn einige Systeme sind bezüglich ihrer Design­möglichkeiten und Funktions­vielfalt wirklich interessant.


Webseite mit WordPress erstellen

Wenn wir bei dem Vergleich von oben bleiben, bist du mit einer eigenen WordPress Seite nicht mehr Mieter, sondern Eigentümer. Das bedeutet, es gibt kaum Grenzen, was deine Web­seite können oder wie sie aussehen soll. Du kannst selbst bestimmen, wie du es haben möchtest. Oder um ein anderes Bild zu verwenden: Statt dem Anzug von der Stange, leistest du dir nun einen eigenen Maßanzug.

 

WordPress ist das derzeit weit­verbreitetste Open Source Content Management System (CMS). Open Source bedeutet, dass der Code frei verfügbar und kostenlos ist. Deshalb programmieren auch viele Leute (die Community) daran herum. Sie ändern es, verbessern, erweitern und modernisieren es, ergänzen es mit tollen Plugins und ... schließen ständig irgendwelche Sicherheits­lücken, denn leider ist es so, dass die weit­ver­breitetsten Systeme auch immer die beliebtesten Angriffs­ziele der Hacker­szene sind. Daher solltest du die regel­mäßigen Updates immer schön einspielen, damit deine Web­seite nicht plötzlich Opfer eines Angriffs wird, nur weil du eine veraltete WordPress-Version oder ein inzwischen unsicheres Plugin verwendest.

 

Es ist also ein frei verfügbares System, mit dem du, nachdem du es herunter­geladen und installiert hast, deine Webseite bauen kannst. Damit das Endprodukt allerdings im Internet auch zu sehen ist, muss es auf einen Webserver und das bedeutet, dass du einen Anbieter, einen Hoster brauchst, der dir einen Webserver zur Verfügung stellt, auf dem das System eingerichtet und betrieben werden kann.

 

Aber damit hast du erstmal nur das System und noch keine Webseite. Die Webseite (Desing, Inhalte) müssen genau wie beim Baukastensystem noch erstellt werden. Entweder mit fertigen Designvorlagen, die man installiert oder mit eigenen Designs, die programmiert werden müssen.

 

Wenn das erledigt ist, gehören dir sowohl die Webseite wie auch das CMS, so dass du theoretisch damit auch woandershin (zu einem anderen Hoster) umziehen könntest, auch wenn das nach meiner Erfahrung eher selten passiert. Es ist, als hättest du eine Eigentums­wohnung auf Rädern. Andererseits bist du für dieses System und dafür, dass deine Webseite läuft, nun auch zum großen Teil selbst verantwortlich: für die sauber installierte Technik, für Sicherheits- und Software­updates, usw.

 

Vorteile:

  • Mit WordPress erhält man eine sehr große Auswahl an verfügbaren, modernen Designs, die zudem ständig erweitert und verbessert werden. Aber wie gesagt: Auch ganz eigene (selbst programmierte) Designs sind hier möglich. (Eigene Templates kann man bei vielen Bau­kästen zwar theoretisch auch program­mieren, allerdings nicht ganz so einfach und vollständig und es gibt nicht so viele Experten dafür. WordPress Program­mierer gibt es dagegen wie Sand am Meer...)
  • Mehrsprachigkeit ist kein Problem.
  • Es gibt viele gute und mehrfach erprobte Plugins, zum Beispiel für die Suchmaschinen­optimierung (SEO) oder für komplexere Funktionen wie Shops und Event­kalender, die bezüglich ihrer Möglich­keiten weit über das hinaus gehen, was Baukasten­systeme anbieten können. Und hat man sehr spezielle Anforde­rungen, die bisher noch niemand aus der Community so erstellt hat, programmiert man eben selbst.
  • Falls sich rechtlich wieder einmal etwas ändert, kann man die Seite sehr schnell selbst anpassen bzw. von einem Profi anpassen lassen. (Bei einem Baukasten­system muss man warten, bis der Anbieter das macht. Bzgl. der DSGVO warte ich bei einigen Anbietern heute noch, dass sie ihr System vollständig anpassen...)

Nachteile:

  • Für Laien sind diese Anforde­rungen zu hoch, daher braucht man einen Web­designer oder Program­mierer, der zuerst das System einrichtet, die Webseite darin erstellt und im Idealfall diese Seite dann auch regel­mäßig prüft und wartet.
  • Wie auch beim Bau eines Eigenheims ist das Erstellen so einer Webseite natürlich mit wesentlich mehr Aufwand verbunden, als einfach in eine fertige Miet­wohnung zu ziehen: Das Einrichten und Aufbauen der Webseite, so dass sie sicher und korrekt auf allen Geräten läuft, kann – je nach Anfor­derungen – schon mal ein bis mehrere Wochen dauern. Die Kosten können also – auch für nicht so große Webseiten – in den 4-stelligen Bereich wandern. Und nach oben hin gibt es keine Grenze. Der Preis steigt mit den Anfor­derungen und der Kom­plexität des Systems.

Wenn alles richtig gemacht wurde, hast du eine individuelle und unendlich ausbau­fähige Webseite, die an alle Even­tualitäten angepasst werden kann, denn du bist der Chef bzw. die Chefin!


WordPress oder Jimdo – das Fazit

Ein Baukastensystem wie Jimdo ist die richtige Wahl,

  • Wenn du eine ganz normale moderne Webseite benötigst, die deine Kunden informieren und deine Angebote präsentieren soll (wie z.B. eine Webseite für Heilpraktiker oder Coaches),
  • wenn du einen (eher einfachen) Shop mit geringem Kosteneinsatz aufbauen möchtest,
  • wenn du die Inhalte wie z. B. Texte und Bilder selbst bearbeiten oder aktualisieren möchtest und zwar mit einem intuitiv zu bedienenden System, das auch Technik-Laien nicht überfordert,
  • wenn du dich um so etwas wie Sicherheitsupdates, Webserverprobleme etc. nicht kümmern möchtest,
  • wenn du nicht zu viel Geld für dene Webseite ausgeben kannst oder möchtest.

Eine WordPress Seite ist die richtige Wahl

  • wenn du Wert darauf legst, dass die Webseite inkl. System dir gehört.
  • wenn du keine Scheu vor Technik hast bzw. bereit bist, jemanden für das Einrichten und das regelmäßige Warten der Seite zu bezahlen,
  • wenn du auch mit einem Backend (Oberfläche zum Bearbeiten deiner Inhalte) zurecht kommst, das nicht sehr inuitiv ist,
  • oder wenn du mit WordPress schon gearbeitet hast und dir das System bereits vertraut ist,
  • oder wenn dir das Backend ganz egal ist, weil du deine Webseite ja gar nicht selbst bearbeiten möchtest,
  • wenn deine Webseite mehrsprachig sein soll,
  • wenn du besondere Ansprüche an Funktionen oder an das Design hast, die aus dem Üblichen herausfallen bzw. die die gängigen Baukastensysteme nicht oder nicht so gut liefern,
  • wenn du bereit bist, für diese Vorteile mehr Zeit und mehr Geld mitzubringen.


Falls du unsicher bist, welche Lösung für dich am besten ist, berate dich mit einem Experten, der/die beide Systeme gut kennt und vorurteilsfrei bewerten kann. Eine professionelle und ansprechene Webseite ist meiner Meinung nach jedenfalls mit beiden Systemen machbar. Es hängt einfach davon ab, was du benötigst und welches Budget du hast.