Inhalte erstellen und Gefunden werden – wie KI unser Business verändert
Dieser Artikel befasst sich (scheinbar) mit Pudel und (tatsächlich) mit dem Thema KI.
Einige von euch haben mir geschrieben – ich antworte und gehe dabei auf diese 4 Fragen ein:
- Warum du vielleicht weniger sichtbar geworden bist (und was du tun kannst)
- Kann KI dich beraten? In allem?
- Kann KI deine Texte schreiben?
- Neue Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte ab August 2026 – bist du betroffen?
Warum du vielleicht weniger sichtbar geworden bist (und was du tun kannst)
Falls eure Besucherzahlen seit ein paar Wochen bergab gehen – das liegt vermutlich nicht an euch, sondern an 2 Faktoren.
Das Problem Google Algorithmus
Zum einen hat Google am Algorithmus geschraubt und Webseiten, die irgendwas mit Gesundheit oder Therapie zu tun haben, hat es besonders erwischt. Aus Google-Sicht gehört Gesundheit zu den Themen, bei denen bestimmte Informationen Schaden anrichten können, und daher schaut Google mit jedem Update noch genauer hin, welche Informationen von wem verbreitet werden.
Das Problem Ai Overview
Zum anderen sieht die Googlesuche seit einiger Zeit anders aus. Es erscheint nun zuallererst eine KI-Antwort (AI Overview), die auch zunehmend genutzt wird.
Anstatt also wie früher selbst die Webseitenergebnisse durchzuscrollen, begnügt man sich mit dem Lesen der KI-generierten Antwort und wenn dort auch Empfehlungen zu bestimmten Anbietern auftauchen, ist es egal, wer weiter unten mit seiner Webseite gut platziert ist.
Viele Suchende kommen über diesen KI Abschnitt gar nicht mehr hinaus! Sie stellen in der Suchmaske eine Frage (oder Suchanfrage) und Google antwortet mit einem KI-generierten Text und schlägt dabei auch gleich 3-4 Anbieter vor. Auf diese wird geklickt. Fertig.
Und sogar, wenn man diesen KI-Abschnitt ignoriert – wer weiter scrollt, sieht noch immer keine Webseiten-Ergebnisse, sondern zuerst die Google-Profile (Google Maps Standorte) und dann die Google Anzeigen. Bis echte „organische“ Suchergebnisse erscheinen, muss man also ziemlich viel scrollen. Das gilt vor allem für die Mobilversion, wo man den Eindruck hat, dass es wirklich ewig dauert, bis man zu den „normalen“ Webseitenergebnissen kommt.
Was du selbst tun kannst
Das Ziel ist weiterhin, gut gelistet zu werden und zudem versuchen nun natürlich alle, dass die eigene Seite von Google in der AI-Antwort vorgeschlagen wird. Das Stichwort dafür lautet „E-E-A-T“ und steht für Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness. Also Erfahrung, Fachwissen, Autorität, Vertrauenswürdigkeit.
Es gibt dafür keinen Trick. Google bewertet Vertrauenswürdigkeit über viele kleine Signale, die zusammen ein Bild ergeben – und dieses Bild könnt ihr deutlich schärfer machen. Hier ein paar Tipps:
Zeigt, wer schreibt. Auf manchen Praxis-Websites stehen Texte einfach so da – kein Name, kein Gesicht, keine Qualifikation. Setzt unter eure Fachtexte einen kurzen Autorenhinweis mit Name, Qualifikation und Link zur „Über mich"-Seite.
Nehmt die „Über mich"-Seite ernst. Für Google ist diese Seite inzwischen eine der wichtigsten. Ausbildung, Jahreszahlen, Fortbildungen, Mitgliedschaften, Zertifikate. Bitte als Text, nicht als Bild oder PDF: Was Google nicht lesen kann, existiert für Google nicht. Und achtet darauf, dass Name, Adresse und Berufsbezeichnung überall identisch sind – in Webseite, Google-Profil und in den Verzeichnissen.
Verlinkt eure Nachweise nach außen. Ein Verbandslogo als Bild im Footer ist nett, aber allein wirkungslos – eine Grafik sagt Google nichts. Was inzwischen zählt, sind Verbindungen zu anderen seriösen Seiten: Verbandsverzeichnis, Therapeutensuche, Fachportal. Verlinkt dorthin und prüft unbedingt, ob eure Einträge/Links noch stimmen.
Schreibt aus eurer Praxis. Das ist genau der Punkt, den keine KI für euch erledigen kann. Was ihr in den letzten Jahren erlebt habt, was Patientinnen euch immer wieder fragen, woran Behandlungen scheitern: Das steht in keinem Ratgebertext im Netz und genau solche Inhalte sucht Google gerade.
Sammelt weiterhin Google Rezensionen. Auch diese werden von KIs gesehen und für den Aspekt Vertrauenswürdigkeit herangezogen!
Was übrigens nicht hilft: die Seite mit Siegeln zupflastern. Drei bis fünf relevante reichen, alles darüber wirkt eher unseriös.
2. Kann KI dich beraten? In allem?
Ich nutze selbst KI. Fast jeden Tag. Vor allem, um Texte schneller SEO- und GEO-tauglich zu machen, um Fotos zu optimieren und um deren Auflösung zu erhöhen. Das funktioniert meist gut und spart mir Zeit.
Aber immer öfter höre ich von Kund:innen:
„Ich hab die KI zum Thema XY gefragt, und sie hat mir diese Analyse geschickt …”
Und dann bekomme ich einen Text, der zwar klug klingt. So richtig fundiert und seriös. Wie von einem Profi mit zwanzig Jahren Berufserfahrung. Und es ist leider falsch – zumindest manchmal. Und wenn es um rechtliche Texte geht, eigentlich immer. Diese waren (bisher) immer falsch!
Das Problem ist, dass KI nur Wörter generiert, aber nicht aus einem Fundus von Fakten schöpft, sie weiß also nicht wirklich etwas. Sie kennt weder eure Webseite, noch eure Verträge und auch eure Branche kennt sie nicht. Sie weiß nicht wirklich, wie eure Seite technisch gebaut ist, wo eure Daten liegen, was ihr letztes Jahr mit wem vereinbart habt.
Und trotzdem antwortet sie! Und zwar immer sehr ausführlich und in diesem freundlich-souveränen Ton, der den Eindruck von hoher Kompetenz vermittelt. Sie bildet aber nur Antwortreihen aufgrund von statistischer Wahrscheinlichkeit und das Ergebnis klingt manchmal erstaunlich gut.
Leider wird es die KI auch nicht zugeben, wenn sie zu wenig Informationen hat (außer, du forderst sie dazu auf), wenn sie etwas einfach nicht weiß, wenn sie gerade ins Raten kommt, denn so ist sie nicht programmiert. KI ist darauf trainiert, eine gut klingende Antwort zu geben. Immer. Irgendeine.
Und wenn sie das nicht mit 100%-iger Sicherheit kann, lügt bzw. rät sie. Der Fachbegriff lautet: Sie halluziniert.
Übrigens: Wer noch nicht so richtig verstanden hat, wie diese LLMs funktionieren, warum viele Experten „KI“ (Künstliche Intelligenz) als Begriff meiden und stattdessen lieber die korrekte
Bezeichnung „LLM“ (Large Language Model = großes Sprachmodell) verwenden, dem sei dieses Video empfohlen:
Woher weiß ChatGPT das alles? So erstellt die KI ihre
Antworten
12 Minuten, die sehr erhellen!
Mein Rat:
Wenn es um deine rechtliche oder geschäftliche Ausrichtung geht – Datenschutz, Impressum, Verträge, Abmahnrisiken, Marketingstrategie –, dann fragt echte Menschen. Menschen, die kritisch nachfragen, bevor sie antworten. Und die für ihre Antwort auch geradestehen.
Das darf auch gerne jemand anderes sein als ich, falls euch meine Meinung und meine Expertise nicht reichen. Solange ich nicht gegen eine KI argumentieren muss, ist mir alles recht 😉
3. Kann KI deine Texte schreiben?
Texte mithilfe von KI verfassen und strukturieren, Inhalte für Google und für die KI-Suche optimieren, sie also für SEO und GEO anpassen, kann eine echte Erleichterung sein.
Aber: Prüft jedes Wort!
Denn KI macht Fehler. Sie erfindet Zahlen, behauptet Dinge und baut Sätze, die toll klingen, aber inhaltlich teilweise kompletter Nonsens sind. Und sie tut das, ohne mit der Wimper zu zucken –
siehe Punkt 2.
Und wenn so ein falscher Text online geht, haftet ihr dafür – nicht die KI.
Daher lasse ich auch keine rechtlich relevanten Texte wie die Datenschutzerklärung oder das Impressum von einer KI erstellen. Wirklich nie! Denn ich habe zum einen nicht genug juristische Expertise, um den Text, den Claude mir so selbstsicher ausgibt, beurteilen zu können. Und ich behaupte mal: Ihr habt nicht genug technisches Verständnis von eurer Webseite, um beurteilen zu können, ob Claude bei eurer Datenschutzerklärung an alles gedacht hat. Ich habe da inzwischen schon die wildesten Sachen gesehen!
Hier verlasse ich mich also nach wie vor auf die Tools von Anwälten (zum Beispiel die von eRecht24), die juristisch korrekte Texte zur Verfügung stellen und deren Generatoren ich mit dem benötigten Know-how nutzen kann.
Als Webdesignerin kenne ich zudem den Aufbau und die dahinterliegende Technik eurer Webseite und weiß daher ziemlich genau, welche Dinge in eurer Seite für den Datenschutz relevant sind und welche nicht. Etwas, das die KI nicht kann. Sie kann eure Seite nicht vollständig analysieren, behauptet aber leider, sie könne es.
Siehe auch hier wieder Punkt 2: KI soll stets Machbarkeit suggerieren und generiert Inhalte aufgrund von Wahrscheinlichkeiten und nicht aufgrund von Tatsachen.
Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht: Wenn ihr den generierten Text inhaltlich prüft und die Verantwortung dafür übernehmt, müsst ihr ihn nicht als KI-generiert kennzeichnen. Auch nach August 2026 nicht (siehe Punkt 4).
Wichtig ist nur, dass es eine echte Prüfung ist. Einmal drüberscrollen und auf „Veröffentlichen” klicken reicht nicht.
4. Neue Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte ab August 2026 – bist du betroffen?
Thema Bilder (und Videos und Audio).
Hier sind noch andere Aspekte wichtig und es kommen gleich zwei Themen zusammen:
a. Das Urheberrecht
Nichts Neues, aber der ewige Klassiker. Wo kommt das Bild her? Habt ihr die Rechte? Dürft ihr es kommerziell nutzen? Sind Personen darauf, die zugestimmt haben?
Das gilt für KI-Bilder genauso wie für Stockfotos und für das nette Foto, das euch die Nichte geschickt hat. Merkt euch einfach: Kein Bild geht online, ohne dass ihr ganz genau sagen könnt, woher es kommt und warum ihr es auf euren Werbemitteln verwenden dürft.
b. Kennzeichnungspflicht für KI-Bilder
Ab dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 des EU AI Act und gleich eine Entwarnung vorweg, weil ja immer alles sehr aufgebauscht wird: Ihr müsst nicht jedes KI-Bild kennzeichnen.
Diese Pflicht betrifft aber nur eine bestimmte Sorte von Inhalten: Es geht um Deepfakes.
Exkurs: Was ist ein Deepfake?
Dieser Begriff ging in letzter Zeit häufig durch die Presse – zu Recht! Es ist ein wichtiges Thema und ich finde, dass die neue EU-Verordnung auch einen ersten wichtigen Schritt macht, um virtuellen Missbrauch und das Verbreiten von Fehlinformationen einzugrenzen.
Gemeint sind also KI-erzeugte oder KI-veränderte Bilder, Videos und Tonaufnahmen, die echten Personen, Orten, Gegenständen oder Ereignissen ähneln und die auf den ersten Blick wie eine echte Aufnahme wirken.
Die Faustregel lautet also: Könnte jemand das für ein echtes Foto oder eine echte Aufnahme halten?
Beispiele für Deepfakes:
- ein KI-generiertes „Kundenfoto” oder Testimonial mit einem Menschen, den es nicht gibt
- ein Foto von euren Räumen, eurem Team oder eurer Arbeit, das so nie aufgenommen wurde
- eine KI-Stimme im Erklärvideo oder Podcast
- ein echtes Foto, das mit KI so verändert wurde, dass etwas anderes darauf zu sehen ist
Und diese Beispiele gelten in der Regel nicht als Deepfake:
- Illustrationen, Zeichnungen, Comics
- abstrakte Grafiken, Muster, Hintergründe
- Icons und Logos
- Retusche von Gesichtern oder Umgebung – also etwas bessere Qualität, etwas besser ausgeleuchtet, etwas grünerer oder breiterer Hintergrund. So was konnte man auch vorher schon mit Photoshop machen und gilt nach Aussage von eRecht24 nicht als Deepfake.
- alles, was erkennbar künstlich aussieht und niemand für ein Foto halten würde
Kurz: Die gemalte KI-Katze ist unproblematisch. Das fotorealistische KI-Foto einer Frau, die begeistert eure Praxis verlässt, die es aber nie gab, ist es nicht. Das wäre ein Deepfake! Genau wie der Pudel auf meinem Schreibtisch mit Sonnenbrille 😎
Und was ist mit manipulierten Fotos, die ihr bereits in euren Werbemitteln eingesetzt habt?
Ob die Pflicht der Kennzeichnung auch rückwirkend gilt, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht ganz klar. Die Kanzleien sind sich da schlicht ergreifend noch nicht einig. Die einen sagen: Was vor August 2026 online ging, bleibt außen vor. Die anderen sagen: Wenn es weiterhin öffentlich zu sehen ist, muss es gekennzeichnet werden.
Auf der sicheren Seite seid ihr, wenn ihr es kennzeichnet. Wenn ihr also vermutet, euer mit ChatGPT oder anderer KI erstelltes oder manipuliertes Foto könnte als Deepfake interpretiert werden, kennzeichnet es einfach. Sicher ist sicher.
Wie kennzeichnen?
Ein schlichter Hinweis direkt beim Bild reicht völlig. Ein Kreis mit einem “AI” oder “KI” oder „Mit KI erstellt”. Wichtig ist nur, dass man ihn sieht, ohne zu suchen – also nicht im Impressum und
nicht ganz unten in der Fußzeile, sondern direkt im oder am Bild. Es gibt übrigens Online-Tools, mit dem man seine Bilder sehr leicht mit einem AI-Label versehen kann, zum Beispiel dieses:
https://euaiicon.com/
Manche KI-Tools versehen die generierten Bilder selbst mit einem Label oder Wasserzeichen. Dann wäre der Hinweis auf KI also im Bild bereits sichtbar enthalten und ihr müsst ihn nicht noch mal hinzufügen.
Übrigens: Facebook, Instagram, TikTok und YouTube verlangen die Kennzeichnung realistisch wirkender KI-Inhalte schon länger. Da gibt’s beim Hochladen einfach einen Schalter, den ihr umlegen müsst.
Einsatz von KI in Stockbildern: Hier müsst ihr aufpassen. Nicht alle Stockanbieter erlauben die KI-Manipulation ihrer Bilder. Da ist es gut, die Lizenz- und Nutzungsbedingungen des jeweiligen Anbieters gelesen zu haben. iStockphoto erlaubt es zum Beispiel nicht!
Mein Rat:
Habt ihr Bilder und Videos auf eurer Webseite oder in euren Social-Media-Kanälen, die KI-generiert sind? Könnte jemand diese für echte Aufnahmen halten? Wenn ja, überlegt, wie ihr damit umgeht: nachträglich kennzeichnen oder austauschen.
Fazit
Ja, die Zeiten sind nicht einfach. Vieles ändert sich gerade durch und mit KI und eine gut gemachte Webseite reicht leider heutzutage nicht mehr.
Man muss immer mehr wissen, bedenken, einsetzen und auch von außen einiges dazutun, um sichtbar zu bleiben oder zu werden.
Und man muss lernen, mit KI sinnvoll umzugehen.
Also erkennen, was sie leisten kann und was nicht.
Falls du deinen Webauftritt überprüfen oder an die neuen Herausforderungen anpassen möchtest und meine Unterstützung dafür benötigst, frag gerne nach.
Liebe Grüße
Deine – weiterhin pudellose – Uschi

